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Ortsgeschichte von Lindenberg von Hans Grad
Am südlichen Ausläufer des Alantsberges, eines Moränenhügels zwischen Buchloe und Lindenberg, steht weithin sichtbar das Wahrzeichen unseres Ortes, die Pfarrkirche St. Georg und Wendelin. Dieser mit vielen Linden bewachsene „Kirchberg“ gab dem Ort den Namen. Die Geschichte Lindenbergs geht weit zurück bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts. Damals drangen die Sueben (Schwaben), ein Stamm der Alemannen, in unser bis dahin von den Römern besetztes Land ein. So stieß man beim Bau eines Hauses im April 1933 auf der höchsten Stelle des nördlichen Ortes in 80 bis 90 cm Tiefe auf alemannische Reihengräber mit Skeletten und verschiedenen Geräten. Im Jahr 1998 wurde ein weiteres Alemannengrab mit einem gut erhaltenen Skelett bei Bauarbeiten im Süden von Lindenberg gefunden. Durch die Christianisierung und die dadurch entstehenden Pfarreien im 8. Jahrhundert gerieten diese alemannischen Friedhöfe allmählich in Vergessenheit. Von da an wurden um die christlichen Kirchen Friedhöfe angelegt. Da die Lindenberger Kirche auf einem Berg steht und dem hl. Georg geweiht ist, wird angenommen, dass sich an dieser Stelle bereits in früherer Zeit eine heidnische Kultstätte befand. An Plätzen, an denen vorher Wotan, der höchste Gott der Germanen, verehrt wurde, weihte man die christlichen Kirchen vielfach dem hl. Georg. Den beiden gemeinsam ist die Darstellung als Reiter auf einem Schimmel. Die ersten Grundeigentümer von Lindenberg waren um das Jahr 1000 die Welfen. Nach ihnen kam der Grundbesitz an die Herren von Ursin-Ronsberg. Diese vermachten den Ort ihren Verwandten, den Dienstleuten „von Reichen“. Dieses Geschlecht beanspruchte das Kirchenpatronat und setzte seine Ansprüche darauf in einem Streit mit dem Kloster St. Ulrich in Augsburg im Jahre 1230 durch. So ist am 3.11.1154 ein Witigou von Reichen genannt, dem Lindenberg zugehörte. Ein Nachkomme, nämlich Eberhard von Reichen, konnte somit gegen die Ansprüche des Klosters St. Ulrich von Augsburg das Patronatsrecht sichern.
Gegen
Ende des 13. Jahrhunderts besaßen die Herren von Kemnat das Dorfgericht, die
Kirchenvogtei und die Vogtei über mehrere Höfe in Lindenberg. Diesen Besitz und
deren Rechte verkaufte der Kemnater „Heinrich der Hattenberger“, Herr von „Buchlon,
Lindiberch und Tullishausen“ hoch verschuldet, am 27.7.1299 an das Kloster Stams
in Tirol. Somit muss im Jahre 1299 bereits eine Ortskirche oder eine Kapelle,
vermutlich in Zusammenhang mit einer Burg des Ortsadels, vorhanden gewesen
sein. Doch bereits am 13.3.1311 erwarb das Hochstift Augsburg den Besitz, das
Dorfgericht und die Vogtei zurück. Auch ein Hof von dem nahen Weiler Schöttenau
kam dazu. So ist die Geschichte von Schöttenau jahrhunderte lang mit den
Geschicken Lindenbergs verknüpft. Das 20. Jahrhundert
Der 2. Weltkrieg
Gemeindereform
Bau der Ortsdurchfahrt (Kemptener Straße) im Jahr 1934
Als sich die bis dahin selbständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform am 1. Juli 1971 freiwillig der Stadt Buchloe anschloss, zählte der Ort 644 Einwohner und eine Fläche von 982 Hektar. Nachdem die bayerische Staatsregierung einen ansehnlichen Zuschuss denjenigen Gemeinden versprach, die sich rechtzeitig und freiwillig einer anderen Gemeinde anschließen würden, war Lindenberg einer der ersten Orte, die diesen Schritt wagten. Bei der entscheidenden Bürgerversammlung sprachen sich 185 Dorfbewohner für und 118 gegen einen Zusammenschluss aus. Der Gemeinderat verhandelte mit der Stadt über viele Details. Doch am Ende einigte man sich doch. Altbürgermeister Josef Götzfried hielt die erste Zeit noch Amtsstunden in Lindenberg ab. Doch schon bald wurden die Belange des Ortes von Ortssprechern oder Stadträten vertreten.
Strukturwandel vom Handwerker- und Bauerndorf zum beliebten Wohnort
Das Dorfbild wandelte sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend. Nach dem Krieg hatte Lindenberg noch einen eigenen Pfarrherrn in einem stattlichen Pfarrhof, eine Schule, eine Molkerei, eine Bäckerei, zwei Krämereien, einen Schuhmacher, zwei Schreinereien, eine Wagnerei, eine Schäfflerei, zwei Schmieden, zwei Dorfwirtschaften, ein Sägewerk, eine Strickerin, mehrere Näherinnen und ca. 50 kleinere und größere Landwirtschaften.
Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge vergrößerte sich nicht nur die Einwohnerzahl, sondern auch die Zahl der Gewerbetreibenden. Viele Frauen mit Kindern verdienten ihren Unterhalt durch Heimarbeit aus der Gablonzer Schmuckwarenindustrie. Die Zahl der Landwirte kann man heute an einer Hand abzählen.
Erst durch den Gemeindezusammenschluss mit Buchloe und die dadurch verbesserte Infrastruktur wandelte sich Lindenberg in einen beliebten Wohnort, der durch seine gute Verkehrsanbindung und dem lebendigen Ortsleben, nicht zuletzt durch die vielen Vereine, viele junge Familien besonders aus der Münchner Gegend anlockte. Es wurden große Baugebiete ausgewiesen, so dass die Einwohnerzahl auf heute 1156 stieg. Die Lindenberger Bürger haben dagegen die Vorteile der Einrichtungen einer Stadtverwaltung mit Bauhof, Wasserversorgung und Kanalisation, Abfallwesen und vieles andere. Natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten, doch mit beiderseitigem gutem Willen wurde noch jedes Problem gelöst. Jetzt, nach über dreißig Jahren, ist aus der anfänglichen Vernunftehe, ein gut funktionierendes Zusammenleben geworden. Jede Seite weiß, was sie an der anderen hat.
Heute ist Lindenberg ein liebenswerter Stadtteil von Buchloe, in dem es sich gut leben lässt. Viele Bürger unseres Ortes schätzen die guten Verkehrsanbindungen zu ihren Arbeitsstätten in Kaufbeuren, Augsburg oder München.
Für Erholung und zur Freizeitgestaltung bieten die ortsansässigen Vereine, wie Musikverein, Schützenverein, Veteranenverein, Radfahrverein, Oldtimerverein, Förderverein Armenhaus, Fußballverein und Motorradverein vielfältige Möglichkeiten. Nicht wenige Bürger sind auch in kirchlichen und sozialen Einrichtungen tätig.
Die umliegende Landschaft mit ihrer unberührten Natur sowie die nahe liegenden Fremdenverkehrsorte des Allgäus nutzen viele stressgeplagte Menschen für Spaziergänge und zur Entspannung.
Kirche
Lindenberger Kirche im neuromanischen Stil vor 1945
Heutige Kirche im Rokoko - Stil
Sehr große Verdienste um die Pfarrkirche St. Georg und Wendelin erwarb sich der letzte Lindenberger Pfarrer Karl Heichele. Dieser aus Stadtbergen bei Augsburg gebürtige Priester kam am 1. Dezember 1940 nach Lindenberg. Trotz der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit begann er, den neuromanischen Stil der Kirche durch ein helles lichtes Rokoko zu ersetzen. Nur mit zähem Willen und viel Liebe zur Kirche konnte er alle Schwierigkeiten meistern. Im Jahre 1949 wurde der Friedhof erweitert sowie ein Leichenhaus gebaut. Am 20. April 1942 wurden drei der Lindenberger Kirchenglocken für die Rüstungsindustrie gebraucht. Nur die kleine Schutzengelglocke blieb der Gemeinde erhalten. Im Jahre 1951 beschaffte Pfarrer Heichele ein neues Geläute für die Kirche.
Tiefe Trauer löste am 22. März 1954 die Nachricht vom Tod dieses unermüdlichen Seelsorgers und kunstverständigen Restaurators aus. Nach seinem Tod als letzten Lindenberger Pfarrer wurde die Pfarrei zunächst von 1954 bis 1964 von dem Jengener Pfarrer Stephan Baumgartner betreut, anschließend von den Buchloer Stadtpfarrern Lorenz Spies (1964 – 1976) und Dr. Johannes Demmeler (1976 – 1981). Von 1981 bis zu seinem Tod am 29. Juli 2003 war der Jengener Pfarrer Hans Seeberger als Pfarrvikar in Lindenberg tätig. Seit dem 1. Jan 2004 gehört Lindenberg nun wieder zur Pfarreiengemeinschaft Buchloe.
Die von Pfarrer Heichele begonnene Restaurierung der Pfarrkirche setzte man später fort. So wurde 1958/59 das Dach neu gedeckt und die Außenfassade renoviert. Von 1972 bis 1975 wurde das Mauerwerk trocken gelegt, Wasserleitung und Heizung eingebaut, der Fußboden erneuert und ein neuer Volksaltar aufgestellt. Nachdem die Kirche innen und außen einen neuen Anstrich erhalten hatte, war das von Pfarrer Heichele begonnene Werk vollendet.
Pfarrhof – Kindergarten
Der jahrhundertealte Pfarrhof, nördlich am Fuß des Kirchberges gelegen, stand lange Jahre leer. Als dann das unter Denkmalschutz stehende Gebäude beim Einsturz des Wirtschaftsteils schwer beschädigt wurde, gaben das Landesamt für Denkmalpflege sowie das Bischöfliche Ordinariat im Jahre 1973 die Zustimmung zum Abbruch.
Lange Zeit stand dieser Platz leer und füllte sich lediglich an den jährlich stattgefundenen Georgiritten und anschließender Segnung der Pferde und Reiter mit Leben. Am 21. Juli 1996 wurde dort schließlich der neue katholische Kindergarten St. Georg und Wendelin eingeweiht. Dieser Bau fügt sich sehr gut in das Gesamtbild des Ortes ein.
Kindergarten nach 1996 Schule
Bis 1954 war in dem alten Schulhaus nur ein Klassenzimmer. So
hatten abwechselnd die erste bis vierte Klasse vormittags und die fünfte bis
achte Klasse nachmittags Schule. Im Pfarrhof war ein Zimmer eingerichtet, um
zwischendurch Unterrichtsstunden abzuhalten. Es war auch für die Lehrerschaft
nicht immer einfach, bei vier Klassen in einem Raum, den Kindern den geforderten
Lehrstoff beizubringen. So mancher Lindenberger denkt noch an die Tatzenstöcke
des Lehrers zurück. Schulhaus vor 1954
Im Jahre 1954 konnte das neue Schulhaus mit zwei freundlichen Klassenzimmern und modernen sanitären Anlagen eingeweiht werden. Durch die Schulreform wurde die Schule 1969 aufgelöst. Bis Mitte der 70er Jahre waren noch einige ausgelagerte Klassen der Buchloer Grundschule untergebracht. Seit 1986 steht das Gebäude mehreren Vereinen zur Verfügung. Das Erdgeschoss dient dem Radfahrverein als Vereinsheim, im ersten Stock hat die Musikkapelle ihren Übungsraum. Schulhaus nach 1954 Dort befindet sich außerdem das Pfarrheim.
Armenhaus
Wasserversorgung Im Jahre 1962 wurde die alte Wasserreserve auf dem Kirchberg durch eine neue im heutigen Neubaugebiet Lindenberg Nord I ersetzt. Dadurch hat sich die Wasserversorgung im Ort wesentlich verbessert. Doch schon 1975, als der neue Wasserturm in Buchloe gebaut war, schloss sich Lindenberg der Wasserversorgung von Buchloe an. 1982 wurde dann die Kanalisierung des Ortes begonnen. Gastwirtschaften Gasthaus "Zur
Friedenslinde" Das im Jahre 1900 von dem damaligen Brauereibesitzer Joseph Weißenhorn erbaute Gasthaus „Zur Friedenslinde“ wurde von der Bevölkerung liebevoll „Bude“ genannt. Nachdem der letzte Besitzer Xaver Paul im Jahre 1986 starb, wurde das Gebäude im Sommer 1990 abgebrochen. Heute befinden sich dort drei Mietshäuser. Das noch
bestehende Gasthaus „Hirsch“
Gasthaus Hirsch und Kleberhof im Jahre 1987 Käsküche und Kleberhof
Am 31. März 1985 konnten die Lindenberger Bauern das letzte mal ihre Milch in der Käsküche abliefern. Die Lindenberger Molkerei war für die hiesigen Bauern seit ihrem Bau im Jahre 1899 nicht nur Abgabestelle der Milch, sondern auch Kommunikationsplatz für die Neuigkeiten des Ortes.
Etwa zur gleichen Zeit wurde auch der daneben liegende Kleberhof abgerissen. Dieser große Gutshof gehörte früher zur ortsansässigen Brauerei Weißenhorn und wurde nach deren Konkurs im Jahre 1910 von Vinzenz Kleber übernommen. An der freigewordenen Stelle stehen heute mehrere Einfamilienhäuser.
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