Pfarrhof
Gutenberg
kein schönes Ende...
Pfarrhof soll verkauft werden (18.11.2004) Allgäuer Zeitung
Finanzierungskonzept für Gutenberg gescheitert
Gutenberg/München/Augsburg (fro). - Über 750 Jahre besteht der Pfarrhof in
Gutenberg - die vergangenen dreizehn Jahre stand er leer. Versuche, das marode
Gebäude angesichts seines "herausragenden Denkmalcharakters" zu sanieren,
schlugen fehl, da Beteiligte aus Politik, Kirche und Denkmalschutz keine
Einigung über das Finanzierungskonzept erzielen konnten. Nun bietet die
Diözese den Pfarrhof zum Verkauf an. Seit zehn Jahren gebe es Versuche, den
Pfarrhof zu restaurieren. Anfang 2000 hätte es "vielversprechende Ansätze"
gegeben und es sei ein "anerkanntes Nutzungskonzept" vorgelegt worden,
schreibt Fritz Pölcher in der Ausgabe "Schönere Heimat" 3/2001. Doch dieses
"Sanierungskonzept und ein mit allen Beteiligten abgestimmter
Finanzierungsplan droht unterzugehen", legte Pölcher in "Heimat Allgäu"
2/3/2004 nach. Nun ist es gescheitert: Das Sanierungskonzept wäre allgemein
akzeptiert worden, doch das Finanzierungskonzept sei "nicht für alle Seiten
verträglich" gewesen, berichtet Stefan Frühwald, Abteilungsleiter
Außerordentliches Haushaltswesen an der Bischöflichen Finanzkammer Augsburg.
Neben der Finanzkammer hatten sich die Pfarrgemeinde Gutenberg, der Landkreis
Ostallgäu, der Bezirk Schwaben, die Gemeinde Oberostendorf und der Gemeindetag
sowie über den Entschädigungsfonds des bayerischen Kultusministeriums das
Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLf D) an der Restaurierung beteiligen
wollen. Der Pfarrhof kann nämlich seinen eigentlichen Nutzen nicht mehr
erfüllen: Gutenberg hat nur etwas mehr als 300 Einwohner und wird deshalb vom
Pfarramt Westendorf betreut: "In einem viel zu kleinem Dorf, steht ein viel zu
großer Pfarrhof", erläutert Pölcher. Deshalb sollte der Pfarrhof nach seiner
Renovierung nicht nur von der Kirchengemeinde, sondern zudem von der Gemeinde
für Veranstaltungen genutzt werden. Auch ein Museum war im Gespräch. Und
natürlich sollten die denkmalschützerischen Aspekte beachtet werden. "Der
Gutshof ist etwas Besonderes. Solche klassizistischen Pfarrhöfe gibt es nur
noch selten", erklärt Nina Wiesner, Pressereferentin im BLf D.
Der Pfarrhof wurde 1238 erstmals urkundlich erwähnt.
1579/80 und 1793/94 wurde er jeweils neu erbaut - beim zweiten Mal mit festem
Mauerwerk. Dabei entstand ein zweigeschossiger Allgäuer Einfirsthof mit
Wohnbereich, Stall und Scheune. 1883 wurde das flache Satteldach aufgestellt.
War der Pfarrhof damals wegen seiner Ornamente und anderer Verzierungen
auffallend, so steht er nun leer und "verkommt", beklagt Pölcher. Für die
Gemeinde Oberostendorf sind die Renovierungskosten von 1,125 Millionen Euro
viel zu hoch. Beteiligt hätte sich die Gemeinde, doch von einigen potenziellen
"Zuschussgebern kommt nichts mehr", so Bürgermeister Karl Fischer. Deshalb sei
das Finanzierungskonzept "total gescheitert". Das BLf D findet den Pfarrhof
nach wie vor "sehr unterstützenswert. Wir stehen hinter dem Konzept", erklärt
Wiesner. Trotz aller Zuschüsse hätte eine "Finanzierungslücke von 200000 Euro"
geklafft, erklärt Frühwald. Nun habe es einen Kirchenverwaltungsbeschluss in
Gutenberg gegeben, nachdem der Pfarrhof verkauft werden kann. "Das versuchen
wir zur Zeit", so Frühwald. Bis auf den Denkmalschutz seien keine weiteren
Auflagen vorgegeben. Momentan hätte man drei Interessenten. Die Nutzung ist
dabei offen.

++ 11.09.2000, Allgäuer Zeitung ++
Prächtige Türstöcke,
Stuck von Meisterhand
Denkmaltag in Gutenberg und Unterostendorf
Gutenberg/Unterostendorf (krl).Kaum noch etwas scheint übrig zu sein vom alten
Gutenberger Parrhof. Von der Fassade bröckelt der Putz, in den Innenräumen
hängen die Tapeten in Fetzen von Decken herunter. Dass es sich trotzdem lohnt,
genauer hin zu schauen, erläuterte Fritz Pölcher dem zahlreich anwesenden
Publikum, das am Tag des offenen Denkmals zu einer Besichtigung des Pfarrhofs
zusammen gekommen war.
Gerade nämlich weil das Gebäude niemals einer aufwendigen "Modernisierung"
unterzogen worden ist, blieb viel von der alten Ausstattung erhalten. Am
aufwendigsten war der Nord-Ost-Raum im ersten Stock ausgestattet. Der alte
Rahmenstuck an der Decke ist immer noch fast vollständig, auch die Stabgitter an
den Fenster und die prächtigen Türstöcke gibt es noch. Auch viele der Fenster
sind im Originalzustand erhalten geblieben mit bleigefassten, mundgeblasenen
Scheiben und wunderschönen alten Beschlägen.
Einen guten Eindruck von der vergessenen Bedeutung der Pfarrei Gutenberg liefert
die Raumhöhe mit beeindruckenden zweieinhalb Metern. "Hier sieht man",
erläuterte Fritz Pölcher, "dass der Pfarrer nicht nur Diener Gottes und Bauer,
sondern auch Herr war." Die Zuschauer konnten sich ein Bild von der Problematik
der bevorstehenden Sanierung machen. "Aber Sie werden erstaunt sein", versprach
Pölcher, "wie es dann fertig aussieht."