Lindenberg | Von Karin Hehl | 19.05.2009 18:43 Uhr

«Ein Hut ist immer etwas ganz Besonderes»

Armenhaus - Erste Ausstellung über Kopfbedeckungen in der «guten Stube Lindenbergs» - Samstag und Sonntag geöffnet

«Ein Hut gehörte früher einfach zum Sonntagsgewand dazu; ein Hut ist immer etwas ganz Besonderes.» Gunda Faßnacht weiß wovon sie spricht, denn sie ist gelernte Modistin - und überdies eines der eifrigsten Mitglieder des Lindenberger «Fördervereins Armenhaus». Etwas Besonderes ist auch das kleine Haus am Fuße des Kirchbergs von Lindenberg. Was also liegt näher, als ausgerechnet mit einer Ausstellung über «Hüte, Kopfbedeckungen und Accessoires» die «gute Stube Lindenbergs» erstmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
 
Am kommenden Wochenende ist es soweit: Dann haben die Lindenberger und alle übrigen Interessenten Gelegenheit, den Anbau des teil-renovierten Armenhauses mitsamt seinen zahlreichen Exponaten unter die Lupe zu nehmen.

Bis dahin jedoch haben Gunda Faßnacht und ihre Mitstreiter vom Förderverein, Hans Grad und Erhard Schilling, noch jede Menge Arbeit vor sich. In Kisten und Kartons stapeln sich die zahlreichen Ausstellungsstücke. Eine Garderobe ist bereits aufgebaut, selbst ein alter Beichtstuhl soll zum Einsatz kommen.

«Ich möchte die Hüte so platzieren, dass sie auch etwas aussagen», meint Gunda Faßnacht und verweist auf drei Feuerwehrhelme aus ganz unterschiedlichen Epochen. Daneben liegt ein lila Damenhut, davor in einer Schachtel, sorgfältig aufbewahrt: ein Zylinder.

Zylinder gehörten früher vor allem bei Hochzeiten einfach dazu. Da trug jeder Mann einen», erzählt Gunda Faßnacht. Und weil es die wertvollen Kopfbedeckungen nicht in jedem Haushalt gab, lieh man sie sich eben gegenseitig aus. «Ich musste mal einen Chapeau Claque zum Onkel nach Türkheim zurückbringen. Dabei ging mir unterwegs die Hutschachtel auf und das schöne Stück rollte quer über den Acker», erinnert sich die Lindenbergerin und lacht.

Aus Lindenberger Haushalten

Die Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus Lindenberger Haushalten. «Einen Hut schmeißt man einfach nicht weg», sagt die Modistin. Und weil viele Dorfbewohnerinnen von ihrem «Hut-Fimmel» wissen, brachten sie in der Vergangenheit immer wieder ganze Nachlässe zu Gunda Faßnacht. «Ich kann fast jedem Hut Personen zuordnen und weiß oft eine kleine Geschichte darüber», berichtet denn auch die leidenschaftliche Sammlerin.

Alles jedoch, meint sie schmunzelnd, würde sie nicht verraten.

Hans Grad und Erhard Schilling freuen sich schon zusammen mit ihrer rührigen Mitstreiterin auf das kommende Wochenende. «Da können wir endlich Leben reinbringen in unser Armenhaus», so Erhard Schilling. Dies sei schließlich von Anfang an einer der wichtigsten Beweggründe des Fördervereins.

Seit 2003 sind die Vereinsmitglieder mit der Sanierung des Armenhauses beschäftigt. «Wenn es wieder ein Stück weiter geht, dann freut man sich einfach», sagt Erhard Schilling und fügt hinzu: «Und wenn es dann noch heißt: Ist doch schön geworden, dann ist man sogar ein bisserl stolz.»

Denn, dass das Lindenberger Armenhaus zum Dorf gehört, wie der Hut einst zum Sonntagsgewand, darüber sind sich die drei einig. «Heute würde doch keiner mehr sagen, das Armenhaus, das reißen wir ab», sagt Hans Grad.

Die Ausstellung «Hüte, Kopfbedeckungen und Accessoires aus 100 Jahren» im Lindenberger Armenhaus ist am Samstag, 23., und am Sonntag, 24. Mai, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Darüber hinaus können telefonisch mit Erhard Schilling (08241/2852) mit Hans Grad (08241/2084) oder mit Gunda Faßnacht (08241/8923) Termine vereinbart werden.

.... und das war sie! Die tolle Hutausstellung! Danke Gunda Faßnacht!



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Stand: 01. Oktober 2009 21:43:24.